Montag, 19. September 2016

Übertrailed und Unterhopft im Elburs-Gebirge, Teil 5

Damāwand  /  دماوند

Der Damāwand (Dam-āwand bedeutet „frostiger Berg“) ist der höchste Berg des Iran im Elburs-Gebirge in der Provinz Māzandarān.
Der Damawand, auch als Drachenberg bekannt, ragt als ruhender, nur noch leicht rauchender Vulkankegel etwa 70 km ost-nordöstlich von Teheran südlich des Kaspischen Meeres 5.604 m hoch auf und überragt damit alle umliegenden Berge bei weitem. In der Literatur kursieren als alternative Höhenangaben auch 5.610 m bzw 5.671 m. Der Damāwand ist damit der höchste Berg des Iran sowie des gesamten Nahen Ostens. Mit einer Schartenhöhe von 4.660 m ist er einer der höchsten freistehenden Berge der Welt.

Wir starten am Montag gegen 07:00h im Polour Shelter/Camp 1 (2.270 m) Richtung Goosfand Sar/Camp 2 (3.040 m). Den Anfang, auf Asphalt entschließen wir uns mit einem allgegenwärtigen blauen kleinen Truck mitzufahren, ist ja viel gemütlicher. In Goosfand Sar angekommen bestaunen wir gleich mal die Mosque, also die Moschee. Schön ist es hier. Derweilen belagern und jede Menge "Eseltreiber". Ich weiß nicht wie die heißen, sorry für den Ausdruck, ist aber nicht als Schimpfwort gedacht. Da wir für den Gipfel, wetter bedingt, nur 2 Tage haben beschließen wir Wasser und Fahrräder von einem Esel bis Bargah Shelter/Camp 3 (4.250 m) tragen zu lassen. Dann sind wir am späten nachmittag noch voll fit und können die Bikes selber noch bis 5.000 m tragen. So der Plan 2.0 !

Goosfand Sar mit Blick zum Gipfel / Damavand

Blick zurück nach Goosfand Sar

Wir fühlen uns bereits wie 2 Stars

Obmann denkt intensiv nach was das heißen könnte

Nach knapp 2 h gehzeit, kurz vor Bargah Shelter holen uns die Fahrräder ein

Direkt unter der Hütte, terassenförmige Flächen für Zelte

Bargah Shelter 4.250 m

Die Gaststube

Hier schon auf ~ 4.450 m. Wir tragen die Bikes hoch ...

Obmann vergeht des grinsen einfach nicht ???


die Weite hat mich unter anderem auch sehr beeindruckt


Aus, genug für heute

Pause, nach dem Schotterreise debakel ... hier nehme ich die volle Verantwortung auf mich. Sorry Milka :-)

Fotos für de wos daham blieben sein



Sunset auf 4.300 m

Hihi, de Rechnung ... könnt ihrs entziffern?

das Schlafgemach

mit feinem Ausblick

3 Stöckig
Am nächsten morgen läutet der Wecker gegen 04:45 h! I hupf aus dem Bett, vollgas ausgeschlafen .... haha, nie und nimma. Bis ca 01:00 h sein de Waschln imma no daherkommen und ins Bett kraxelt. Um 02:00 h ham de ersten Wahnsinnigen begonnen im Lager-Bett Tee zu kochen ...und eine Gaudi ham de ghobt ??? Wie auch immer, gschlafen quasi 0.
Im Vorraum sitzt ein Slowene mit Jogginganzug? Wir quatschen kurz und teilen uns einen Dosenthunfisch. Den 34 ten in der Woche ... hoffentli woarn de alle delphinfreundlich gefangen sonst killt mi mei Tochter *gg*! Er erzählt das er mit dem Rad von SLO nach Nepal unterwegs ist und heute eben einen Abstecher am Gipfel macht. Der Kerl is um 02:00 bei Camp 2 los. Auf alle Fälle fragt er ob er sich anschließen kann. Ich checke mit dem no sei Gwandl.... hmmm hoffnungslos denk i mir. I man, haben wir scho net viel Polarforscher-Spezial-Overkill-Ausrüstung mit, wie gefühlt alle anderen; aber der? Vielleicht aber a hoata Hund, darum misch i mi net ein. Überrede ihn dann unter seinem Jogger alle Shirts und Unterhosen anzuziehen de er mithat. Macht er auch und wir starten um ca 05:15 h !
Nach ca 2-3 h erreichen wir de Radl auf ca. 4.750 m. Der Plan die Radl auf 5.000 hm zu tragen scheiterte ja am Vorabend am unvermögen vom Obmann den richtigen Weg zu nehmen. Na den direkten nehmen wir, Zitat: " do kuman jo oba ah olle"! Und genau das war der Punkt, sehr viele nehmen runter den direkten Weg, und der is letztlich von 4.400 bis ~ 5.100 m einfach eine Schotterreissen. Des hat uns sehr viel Zeit und Kraft gekostet, und Umkehrzeit war schließlich 18:30h. Da waren wir halt erst auf 4.750 m. Wir haben dort dann noch entschieden den Hang weglos zu queren bis wir auf den richtigen Weg kommen. Das alleine hat eh auch noch ca. 30 min und wieder viel Kraft kostet.
Ja als wir eben dort ankommen is Milka bereits wieder voll Gaga, der Slowene will umdrehen, dem is überraschenderweise Kalt , er hat Kopfweh und er kriegt ka Luft??? haha, eine Gaudi mit de 2 da oben. Milka entscheidet sich dafür das Radl liegen zu lassen. Dem Slowenen erkläre ich wie er am besten Atmen soll (also mehr einatmen ... nonanet?) und übe es kurz mit ihm ... kein Scherz! Dann teile ich die Letzte meiner 5 Aspirin aus (die anderen hatte ich schon an diverse Bergsteiger verteilt). Weil ich immer so schwitze hab i immer mehrere Handschuhe mit. Von denen geb i dem Slowenen auch ein Paar und wir gehen weiter.



Im Hintergrund Teheran

Die Aussicht, das Panorama usw ist schon sehr beeindruckend da oben

Schön langsam geht die Sonne auf, es wird aber nicht wärmer, wie eigentlich von mir erhofft

Nicht mehr weit und mir gehts blenden. Da hab ich auch grad jede Menge Bergsteiger überholt?
Jo, voll des bescheuerte Gipfelfoto, oba wos solls!!! Juhuu

Knapp unterm Gipfel such i mir an Stein hinter dem es bissl Windstill ist
Den Gipfel erreiche ich kurz vor 11 h. Aufstieg von Bargah Shelter 4.250 m bis Gipfel 5.610-5.671 m (was auch immer dann stimmt) nimmt mir also 5 1/2 Stunden meiner wertvollen Zeit.Dafür fühle ich mit oben noch Topfit, was ja für diese Abfahrt auch nicht unwichtig ist. Tempo also gut dosiert. Der extrem starke Wind macht zwar den Schwefelgeruch quasi nicht wahrnehmbar *gg* aber es ist, sorry für den Ausdruck, echt Scheißkalt! Die paar Leute die kommen bleiben alle genau für ein Selfie und gehen sofort wieder, obwohl die Angezogen sind wie bei einer Polarexpedition. Ein bisschen verweilen lass i mir trotzdem nicht nehmen, bin ja auch ein harter Hund.
Milka hab ich beim Aufstieg verloren. Ab 4.900 m ca bin ich einfach mein Tempo gegangen, das Warten war mir einfach zu kalt. Ich wollte versuchen ständig in Bewegung zu bleiben. Nach meinen Blicken zurück vermute ich Michael bei 5.000 hm bereits am Rückweg hinunter. Ich schätze er hat beim letzten großen Stein (Windschutz) Pause gemacht und umgekehrt. Dennoch warte ich eine 1/2 Stunde und schau ob ich ihn dann am vorgelagerten Gipfelplateau auftauchen sehe. Da er nicht kommt zwinge ich ein paar Deutsche Fotos von mir zu machen. Was machen die ... ??? Hochformat und Superzoom. Die 2 einzigen Todsünden beim Photographieren quasi .... Ohhhhhh ... Vuischaß würde Max Osterhase sagen. Weil des anstrengend ist, jemand in Guggidrucki geben, zum Radl auffi latschen, mitn Radl vorbeistylen, wieder zum Fotograhen rauf watscheln, wieder runter latschen ... war mir des in dem Moment egal. Zur Erinnerung: Seehöhe ~5.600-5.700 m und gefühlte minus 15°C ! Tja, daher nur wenige Foto von meinem bisher größten Bergglücksmomenten....


Jo wos soll i sogen.... wer so photographiert ... ah is jo egal.

Ich vermute die waren auch schon bissl GAGA

Der nächste den i gefragt hab der hat wenigstens Quer gehalten ....


I war trotzdem zufrieden
Der Weg bis ca. 5.150 m ist nicht allzu schwer zum Fahren, eher sogar eine Autobahn. Einzig der Wind ist etwas unberechenbar. Bei hm ~4850 m stoße ich wieder zu Milka. Ich schau ihn an, er geht, ich fahr weiter. Bei seinem Radl, ~ 4.750 m, warte ich ca 3/4 h bis er kommt. Fix und Fertig, total Gaga halt. Er setzt sich und speibt wos des Zeug hält (Dosen-Thunfisch wers genau wissen will, was anderes hama ja scho 2 Tage nit gesssen, hihi) und schläft ein???
Höhenkrankheit im Endstadion denk i mir.... Scheiße was machen. So Fit das i in Milka, obwohl < 60 kg jetzt runter trage bin i dann au wieder net? I sag es ehrlich, i war zu dem Zeitpunkt fast bissl panisch. Auf alle Fälle hatte Milka 0 Kraft um sich zu bewegen. Ich so die nächsten Bergsteiger (haha, de Wunderphotographen) gleich mal um Schokolade angeschnorrt. Thunfisch wollte er net (keine Ahnung wieso?), Müsliriegel woan a scho nimma so der Bringer, und Wasser hatte er selber. Ich also Milka hinter einem Stein vorm Wind versteckt, sei Radl hab i dann auch noch versteckt, nicht das er mir da noch Blödsinn macht, und erstmal mit meinem Radl so ca 300 hm runtergefahren. Diese 300 hm, und die ca 250 hm darüber sein übrigens extrem schweres Gelände. Ich hab da sehr viel geschoben, da einfach auch die Kraft, oder eigentlich die Luft nicht da ist da großartig herumzuprobieren. Außerdem ohne Spotter auch gefährlich. Vermutlich würd aber eh jeder den du dort oben fragst ob er nicht raufkommen will zum Spotten fragen ob du nicht ganz echt bist?
Hab auf jeden Fall mei Radl dort abgelegt und bin wieder rauf zu Michi. Des Ganze dauert in der Höhe leider seine Zeit, somit schätze ich das ich sicher, obwohl i echt volle Gas geben hab, mehr wie 1:15h braucht hab. Da war i aber echt am Limit. Michi is zu dem Zeitpunkt grad wieder munter worden. Wir haben uns eine Zitrone geteilt und Michi war wieder "gehbereit". Somit sind wir 3, also Milka, sei Radl und ich wieder paar Hundert hm tiefer gekommen. Bei etwa 4.450 m ist der Milka sogar wieder aufs Radl aufgestiegen und gefahren.
In der Hütte dann noch eine Pause mit etwas Schlaf, ein Cola und er war quasi wieder voll da??? Echt irre!
Die ~400 hm oberhalb der Camp 3 sind echt lässig zu fahren. Viele Spitzkehren, aber kein looser Schotter, richtig zum Durchsurfen. Auch von Camp 3 bis Camp 2 ist es nicht recht schwer zu fahren, es liegen allerdings viele Kindskopf große Steine am Weg, es kann also schon so manche Speiche draufgehen *gg*! Ja und ab Camp 2 ist mir der Milka übrigens bei den Gegenanstiegen wieder voll davongezogen ???

Milka reitet wieder


Bis dort in de Schneise ins Tal gehts heute noch

Goosfand Sar im Anflug


Heute hat es mir gezeigt das ich die Höhenkrankheit bisher sehr stark unterschätzt habe. Vermutlich hab ich auch nicht richtig reagiert weil ich Michi einerseits etwas schärfer angeprochen hab (I hab erm quasi anblaaatzt) und außerdem, wenn auch nur 1-1,5h, alleine gelassen habe. Erschien mir in der Situation und auch etwas unter Stress aber richtig?
Hätten wir ungeachtet der Wetterprognose den Berg auf 3 Tage machen sollen ... Hätte ich ihm bei ~4.800 m schon zum Umkehren zwingen sollen .... Hätte ich Ihn sofort runter bringen sollen als er sich übergeben hat, vermutlich alles zusammen. Es hat mir aber sehr deutlich vor Augen geführt wie gefährlich die Höhenkrankheit gepaart mit dem unbedingten egoistischen Willen den Gipfel zu stürmen ist. Ich habe auf alle Fälle für die Zukunft meine Schlüsse gezogen und werde das nicht mehr unterschätzen bzw. den Gipfel halt einfach auslassen. Bruder vor Luder quasi!

Sonntag, 18. September 2016

Übertrailed und Unterhopft im Elburs-Gebirge, Teil 4

Pol-e Zanguleh - Baladeh Road


Am Weg nach Polour/Rineh entschieden wir uns die oben genannte Straße zu nehmen. Ist halt dort einfach eine Straße. Das diese Pässe mit 3.200 m beinhaltet ... juckt dort niemand. Wir mussten halt rüber ... was für ein Glück, haha.
Wenn ich bedenke das zB die Glocknerhochalpenstraße eins der best besuchten Touristenziele in Ö ist ... seltsam was dort so cool sein soll.

Übernachtet haben wir beim Mechaniker von Kamarbon. Was für ein riesiger Mann. Also wirklich riiiiiesig der Kerl. Hände, man o man, so was hab ich noch nicht gesehen. Wie kam es eigentlich dazu? Saman und Leyla mußten wieder nach Teheran und nahmen und ein Stück mit. Unser Plan war wieder irgendwo am Berg im Freien zu schlafen. Evtl finden wir auch eine alte Hütte oder so was. Wie auch immer, Saman wollte das nicht. In Kamarbon, ein Dorf auf 2.700 - 2.800 m mit ca 10 Häusern, fing Saman an bei den Häusern zu läuten.
Der Mechaniker öffnete, räumte sein Zimmer (er schlief am Gang/im Vorraum ???) und wir dann in seinem Schlafzimmer. Dem noch nicht genug, seine Mutter kam, es war schon 01:00h in der Früh, noch mit etwas frisch gekochtem zum Essen. Wir konnten 4 der 5 Gerichte nicht identifizieren, hatten absolut keinen Hunger und waren nur müde. Essen hat uns dann trotzdem geschmeckt, was auch immer es war!
Obwohl wir kein Farsi sprechen und der Mechaniker keine uns bekannte Sprache hatten wir so noch bis ca 02:30 h richtig Spaß. Am meisten war er auf seine blonde Tochter stolz, ist ja sehr selten im Iran. Da wir schon eine Weile unterwegs waren und quasi alle Mitbringsel ausgeteilt hatten, hatten wir nur mehr Haribo Gummibären für sie. Sie freute sich aber trotzdem.
Somit hatten wir wieder eine coole Nacht, auf weichen Teppichen in warmen Räumen anstatt kalten, steinigen Boden auf zu dünnen Schlafsäcken. Gelobtes Land!


Keine Ahnung wer oder was, er wollte, so wie fast alle Iraner mit denen wir sprachen, ein Foto

The Mechanic und wir...um 02:30h

Sein Mäderl

Seine Werkstatt

Raufstrampeln zum Pass .... oh neeeeeiiiiiin

Haha, is erste Auto hat uns quasi gezwungen mitzufahren


Was eh nicht schlecht war, hat sich der Obmann mit den Höhenmetern eh bissl verschätzt

So siehts da im Winter aus... Foto hab i vom Internet gestohlen

Das Tal im Hintergrund rollen wir raus. Trail gibts da runter leider in dem Sinn nicht

Dennoch

Schafft der Obmann, der Vollpfosten, es 

einen Stein aufzugabeln....

Und Überall Bienenstöcke

Jetzt hat Milka den totalen Durchblick
Aufgrund der Wetterprognosen ließen wir einen weiteren geplanten Berg quasi rechts liegen. Den Azad Kuh mit seinen 4.355 m! In einem Tag würden wir ihn nicht schaffen. Wenn wir allerdings 2 Tage vertrödeln wäre die Prognose für den Damavand wieder so das wir den in 2 Tagen machen müssen (was aber letztlich eh so gekommen ist). Somit mal vorbei an dem. Auch aufgehoben für das Finale am Alam Kuh ... wer weiß, vielleicht schon 2017.

Azad Kuh! Der Mann im Vordergrund hat sich gleich für 2017 als Host angeboten? Echt awesome hier die Leute. Sein Haus ist das Rechts! Ist vorgemerkt!


Grüne Oase

Milka chillt

Schön langsam wirds richtig heiß, überraschender Weise gegen Mittag?

Na dann nehmen wir halt einen LKW. Unser Glück war wieder mal das uns der Quasi bis zum Damavand bringt. Fahrräder fachmännisch mit Stahlseil niedergespannt ...

Polour

Das erste Mal den Blick auf den Damavand


Im Polour Shelter checken wir gegen 18h ein. Bezahlen die Übernachtung (5 € / P), das Permit (50$ / P) und fahren nach Polur runter zum Essen.
Als wir so am Teppich hocken fährt ein Kleinbus vor. 3 junge Männer in voll lässiger Freeridepanier hüpfen raus und die so zu uns: "Hej, vo wo sats den es?". Wir so: "aus Österreich, und es?" ... Haha, waren das die 3 Österreicher von denen uns am Alam Kuh erzählt wurde. Die machen wohl so eine Fotostory für eine Bikezeitung. Dem Einen seine Cam wog auch gefühlte 5 kg; werden die schon gute Fotos machen? Wie auch immer, wir befragten uns kurz, quasi was macht ihr, was machen wir, was sollen wir noch machen, was sollt ihr noch machen und verabschiedeten uns recht schnell wieder. Wie sich herausstellte wollten die auch am Damavand mit den Bikes. Schafften es allerdings nur bis 5.000 m. Sie Prophezeiten auch irgendwie unfahrbar usw.... naja, egal das wurde uns eh schon öfter so mitgeteilt.
Wir tauschten noch Nummern für eine evtl gemeinsame Nummer am Ende der Woche, woraus leider eh nix wurde.
So klein ist also die Welt, oder "de scheiß Ösis kreulen ah überoi umma!"